Interdisziplinäre Frühförderung

Der Anspruch des Gesetzgebers

„Die Komplexleistung Frühförderung als interdisziplinär abgestimmtes System von Hilfen für behinderte und von Behinderung bedrohter Kinder und ihrer Familien beginnt mit der Feststellung des Entwicklungsrisikos und endet in der Regel mit dem Schuleintritt.

Alle Leistungen werden auf der Grundlage eines individuellen Förderkonzeptes gemeinsam mit den Eltern erbracht, interdisziplinär entwickelt und laufend entsprechend den Erfordernissen fortgeschrieben.

Die Familien sollen sich die Leistungen nicht mehr zusammensuchen müssen, und sie sollen auch nicht mehr mit Fragen von Zuständigkeiten und Kostenstreitigkeiten der beteiligten Sozialleistungsträger – Krankenkassen und Sozial- oder Jugendhilfeträger – belastet werden.“

(Zitat: Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt vom 10. Mai 2005)

Frühförderung im Biff bietet

  • Hilfen für Kinder von der Geburt bis zur Einschulung
  • ist für alle Familien kostenfrei
  • findet in der Regel ein- bis zweimal wöchentlich statt
  • wird in den Räumen der GMBiff oder zuhause durchgeführt.

Eine Vorstellung in der GMBiff sollte stattfinden, wenn

  • Sie beunruhigt sind über die Entwicklung Ihres Kindes, weil Ihnen Ihr Kind aufgrund einer zu frühen Geburt oder einer komplizierten Schwangerschaft Sorgen bereitet,
  • Ihr Kind behindert oder von Behinderung bedroht ist,
  • die Entwicklung Ihres Kindes in einem oder mehreren Bereichen verzögert ist,
  • Sie nicht sicher sind, ob Ihr Kind altersentsprechend entwickelt ist,
  • sich Ihr Kind auffällig ruhig oder unruhig verhält,
  • Ihr Kind in seinen Sinneswahrnehmungen beeinträchtigt ist
  • Ihr Kinderarzt eine Vorstellung Ihres Kindes in der GMBiff für ratsam hält.

Die Frühförderung in der GMBiff unterstützt Ihr Kind in allen Entwicklungsbereichen und trägt dazu bei, seine gesamte Persönlichkeit zu fördern. Darüber hinaus begleitet die Frühförderung Sie persönlich in Ihrer speziellen Lebenssituation.

Die Rechtsgrundlage

Die Verordnung zur Früherkennung und Frühförderung behinderter und von Behinderung bedrohter Kinder (Frühförderungsverordnung –FrühV) ist im Sozialgesetzbuch IX – Rehabilitation und Teilhabe behinderter Menschen – geregelt und ist von den Verordnungen von Heilmitteln aus kurativer Indikation zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung, geregelt im Sozialgesetzbuch V, zu trennen.

Mit der Verordnung zur Früherkennung und Frühförderung behinderter und von Behinderung bedrohter Kinder (Frühförderungsverordnung – FrühV) vom 24.06.2003 im SGB IX wurde eine eigenständige gesetzliche Grundlage für die interdisziplinäre Frühförderung geschaffen.

Die Rahmenempfehlung NRW vom 1.04.2005 zur Umsetzung der o. g. Verordnung wurde zwischen Städtetag, Landkreistag und allen gesetzlichen Krankenversicherungen geschlossen und regelt das Zusammenwirken der Rehabilitationsträger und der Leistungserbringer zur Erbringung der Komplexleistung „Frühförderung“.

Der Anspruch auf die Förderung ist ausgeschlossen, wenn die interdisziplinäre Komplexleistung nicht notwendig ist, um die Therapie und das Förderziel zu erreichen, weil im Einzelfall Leistungen der ambulanten Krankenbehandlung, der medizinischen Rehabilitation, der Leistungen zur Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft oder der Sozial- und Jugendhilfe ausreichend sind.

Häufig gestellte Fragen
Wer übernimmt die Kosten?

Der Sozialhilfeträger entscheidet über die Bewilligung des Antrages. Die interdisziplinäre Frühförderung wird in der Regel für ein Jahr bewilligt, bei Vorschulkindern bis zur Einschulung und je nach Bedarf kann auch der Antrag über einen kürzeren Zeitraum gestellt werden. Sie, die Eltern, stellen in Zusammenarbeit mit uns, der Frühförderstelle, den Antrag beim zuständigen Sozialhilfeträger, den wir als Interdisziplinäre Frühfördereinrichtung mit Ihren Formularen zum zuständigen Sozialhilfeträger schicken.

Wie bekommt Ihr Kind interdisziplinäre Frühförderung?

Wenn Ihr Kinderarzt Förderung für ratsam hält, so stellt er eine Verordnung (Rezept) aus. Damit wenden Sie sich an uns. In einem ausführlichen Anamnesegespräch nehmen wir uns Zeit für Ihre Fragen und Bedürfnisse. Anamnesegespräch, medizinische, entwicklungspsychologische, therapeutische und pädagogische Eingangsdiagnostik und das interdisziplinäre Fachgespräch sind Grundlagen für die Erstellung des individuellen Förder- und Behandlungsplanes Ihres Kindes. Dieser Förder- und Behandlungsplan wird im Anschluss mit Ihnen besprochen und daraufhin bei Antragstellung zum Sozialhilfeträger geschickt.

Was ist eine Komplexleistung?

Eine Komplexleistung ist eine Kombination von heilpädagogisch-psychologischen und medizinisch-therapeutischen Maßnahmen. Zur Komplexleistung gehören Erstberatung, Leistungen der Früherkennung und interdisziplinären Diagnostik, einschließlich der gemeinsamen Erstellung und Unterzeichnung des gesamten Förder- und Behandlungsplans durch den behandelnden Arzt und durch die Leitung der Frühförderstelle.

Was bedeutet interdisziplinäre Frühförderung?

Unter Frühförderung versteht man die Entwicklungsförderung von der Geburt bis zum Schuleintritt. Interdisziplinär bedeutet eine ganzheitliche, individuelle Förderung, bei der alle mit dem Kind umgehenden Personen eng miteinander zusammen arbeiten. Mediziner, Psychologen, Therapeuten und Heilpädagogen stehen in regelmäßigem Austausch miteinander, mit den Eltern und gegebenenfalls mit der jeweiligen Einrichtung.